Rezensionsarchiv

Finden gehen


Wenn engagierte Grundschullehrerinnen nach gemeinsamer Janoschlektüre mit ihren Klassen ganz begeistert von dem geschöpften Passus des "Pilzefindengehens" im Gegensatz zum "Pilzesuchengehen" erzählen, bin ich im Allgemeinen etwas irritiert, da Wortspiele mich seit dem Konsum zu vieler Heinz-Erhardt-Filme in meiner Kindheit wenig berühren. Nun könnte ich aber eben diese positive Haltung sehr gut brauchen, weil meine Suche nach dem gemeinsamen Motto des Openmicabends am 10.10. absolut fruchtlos bleibt. Es gab junge Künstler und erfahrene, witzige und ruhige, Solisten und Duos. Gut, alle waren Männer, aber bei unserer Veranstaltung ist das nichts ungewöhnliches, kein Aufhänger, der der Erwähnung wert wäre. Also, bitte, warum nicht einmal mit Janosch? Was habe ich denn nun vorgefunden?

Adrian Pauly, einen neuen SingerSongwriterkollegen, der erst seit März in dieser Sache unterwegs ist und -nach eigener Aussage- noch ein wenig auf der Suche (!) nach einem eigenen Stil ist. Den wird er finden, bringt er doch jetzt schon Wichtiges dafür mit. Seine Gitarre beherrscht er, entlockt ihr einen vollen und sauberen Klang. Singen kann er auch, und einen gewissen Popappeal kann man seinen Liedern außerdem nicht absprechen. Die Texte fließen charmant und unbemüht im Rhythmus seiner Songs (wenn vielleicht die eine oder andere Zeile etwas zu typisch ist) und Gefühl transportiert er gekonnt (immer wieder durch Heben und Senken der Stimme, nicht so sehr durch musikalische Kontrapunkte) innerhalb seiner Stücke. Zudem ist er ein sympathischer Junge, nett und vor allem aufgeschlossen und begeistert, der seinen Weg bestimmt machen wird.

Das PS Gitarrenduo: Großartige Stimmungsmacher und hervorragende Musiker natürlich. Mit "Gespenster", "Schicksal", "Tina" und "Müde" brachten die beiden "Bonner" im weitesten Sinne (etwa so, wie Michael Schumacher seine Hochzeit auf dem Bonner Petersberg gefeiert hat) neue Songs des anstehenden Albums, um dann mit dem bewährten "Pornografie" abzuschließen. Insgesamt scheinen mir die neuen Lieder etwas weniger zotig zu sein -keine Sorge: Anspielungen auf Sex und Kiffen fallen (schließlich: Drei Dinge braucht der Mann!). Stilsicher nutzten die Herren Palmersheim und Schmitz die Möglichkeiten eines Duos mit ausgiebigen Soloparts, zweistimmigem Gesang bei wechselnden Leadvocals und dem witzigen Schlagabtausch zwischen den Stücken, die bald zart, bald blusig, bald spanisch angehaucht waren.

Lukas aus Bad Kreuznach fiel nun die schwere Aufgabe zu, das aufgeputschte Publikum für seine ruhigen, romantischen Liedermacherlieder zu gewinnen. Und gewinnend waren vor allem seine bei gleichzeitig sicherem Vortrag spürbare Nervosität und die Ernsthaftigkeit seiner Anliegen. So schlug er beispielsweise im seinem dritten Stück "Nur in Afghanistan" den Bogen von der offensichtlichen Unterdrückung der Frauen dort zur kritischen Betrachtung hiesiger Verhältnisse. Seine Ansagen waren ausführlich und ebenso wie seine Songs durchsetzt von der inneren Haltung, zweifelnd, mitfühlend, anklagend und dezent fatalistisch. Schön, wenn er noch einmal wiederkäme, und -mit ein wenig Losglück- auf einem günstigeren Startplatz mehr Gehör fände.

Auch Kaffee&Kuchen waren schon mal (zweimal, wenn ich mich nicht irre,) beim Openmic zu Gast. Auch sie sind Liedermachings, Stimmungsmachings oder was immer der passende Ausdruck wäre. Sie brachten nicht nur neue Stücke mit, sondern auch einen Bassisten! Der musste allerdings bereits beim zweiten Titel "Dieter&Anne", einem reinen Textvortrag (gemäß unserer neuen Veranstaltungsordnung haben wir ja nur noch Textvorträge, die meisten allerdings mit musikalischer Untermalung), schweigen. Dann aber erklangen die Instrumente wieder zur Begleitung des mal rockigen, mal hiphopesken Gesangs oder aber zum reinen Selbstzweck, als Solo eben.  Kollegialerweise hatten sich Matthias und Kevin wegen der vermeintlichen Überlänge ihrer Songs entschieden, nur vier davon zu spielen (andere sind da nicht so rücksichtsvoll), spielten aber als Encore noch ein ganz kurzes, etwa 40-sekündiges Extrastück.

Martin Mos strahlte bei seinem Auftritt vor allen Dingen sehr viel Selbstbewusstsein aus. Ja, er trug seine fünf mitgebrachten Songs "Your Poems", "I Hope You're Happy Now", "Love IV", "Let Yourself Go" und "Diamond" mit einer unglaublichen Leichtigkeit vor, enthielt sich dabei weder bei den Ansagen noch bei den Songtexten einer gehörigen Prise Selbstironie. Sein eindringlicher Liedvortrag macht das effektive Songwriting des Kölners noch offensichtlicher und das  Zuhören umso leichter. Eine angenehme Erfahrung!

Und das war's. Ich habe einen schönen, unterhaltsamen Abend gefunden und bin dann gegangen. Jetzt gehe ich erstmal Eloquenz suchen... . Jedenfalls bis zum 14.11., denn da findet das nächste Openmic statt.
Out of the bedroom - ab zum openmic.

Gruß,
Ann



 
 

 

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