Rezensionsarchiv

Septemberlieder
- wir trotzen dem Herbstanfang

Eröffnet wurde das September Mikrofon von den Giants Akustik – also eine rein akustischer Ableger der Britpopgruppe The Giants . In gewohnt souveräner Manier offerierten sie ihre 5 Songs. Ich bin kein Freund von Vergleichen mit bekannten Gruppen, doch bei den Giants ist die Ähnlichkeit mit Oasis sprichwörtlich. Die Musik der Giants Akustik ist gut, klar und erhält die ganze Zeit die Lust am zuhören. Mir persönlich haben weder ein Bass noch ein Schlagzeug gefehlt  J. Gute Musik kann halt unterschiedlich und trotzdem immer gut interpretiert und arrangiert werden. Zu wünschen wären ein paar mehr Worte zwischen den Liedern, denn das openmic will ja, gerade wenn die Texte in Englisch gehalten sind, auch über die Inhalte und Emotionen der Schreiber informieren.

 

Als nächstes betrat Andreas Nick die Bühne. Einigen aus der frühen openmic Phase bereits bekannt, kam er diesmal mit charmanter Begleitung zweier Sängerinnen. Nach wenigen Augenblicken fragte sich das geneigte Publikum allerdings wer hier wen begleitet. Andreas konzentrierte sich wesentlich auf das Gitarrenspiel und – wie allerdings das Publikum im Gegensatz zu mir nicht wissen konnte – auf die Komposition, Textung und das Arrangement der Stücke. Mit klaren, (trotz Erkältung) Stimmen wurden Sologesang und Gesangsbegleitung dargeboten. Im weiteren Verlauf übernahm dann doch zeitweise Andreas auch den stimmliche Führung und wurde im Sinne eines Backgroundchors unterstützt. Insgesamt stellte sich die Musik als treibende Mischung aus Swing, Jazz und Blues dar. Das Publikum wurde weitgehend mitgerissen, was an den wippenden Füßen und sich im Takt bewegenden Hüften abzulesen war. Angesetzt als ein erstes Ausprobieren der neuen Formation auf der Bühne, war es eine gelungene Vorstellung. Sicherlich war die ein oder andere Stelle noch etwas unsauber - es besteht bei mir allerdings kein Zweifel, dass dies beim nächsten Auftritt nicht mehr bemerkbar ist.

 

Ein Abschiedskonzert ist eigentlich immer eine traurige Angelegenheit – beim openmic bisher jedoch immer eine Hoffnung oder Erwartung auf ein baldiges Wiedersehen. In der meist vertretenden Altersklasse bedeutet hier nämlich Abschiedskonzert, dass ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt geplant ist. So auch bei Sten Fisher. Kurz vor seiner Abreise nach London wollte er es sich nicht nehmen lasen das deutsche Publikum noch einmal zu spüren. Also kam er auf die openmic Bühne, wo er in gewohnt professioneller Weise seine ruhigen lyrischen Lieder darbrachte. Sten schaffte es problemlos ein fast atemloses Zuhören beim Publikum zu erzeugen. Ich habe selten ein so ruhiges, trotz zahlenmäßig großem, Publikum erlebt. Nun, da auch ich ein Verehrer von Sten Fisher’s Musik bin, war das für mich nicht nur erfreulich, sondern auch verständlich.

 

Wieder ein „zweites Gleis“ war mit dem nächsten Act angekündigt. Ralf&Marc akustik spielen im ersten Gleis mit der Band Asphaltrosen gepflegten Rock. Diese rockige Ader war auch sofort zu spüren. Spritzig, aber auch witzig in der Darstellung, Bass betont in der Intonation und eben rockig kamen die Lieder rüber und rüttelten das Publikum wieder aus der träumerischen Welt des Vorkünstlers auf. Beiden Musikern merkte man die Liebe zur Musik, ja fast schon die Sucht nach Musik an. Es war zwar technisch sauber, aber keine technische Interpretation, hier kamen Emotionen, Spaß und Lebensgefühl zum Vorschein. Auch die Einfühlsamkeit gegeneinander, das Eingehen im Zusammenspiel auf den Partner zeigt, dass Ralf&Marc ein gut aufeinander abgestimmtes Duo und keine musikalische Zweckgemeinschaft sind.

Letzer Act war das einzige neue Gesicht des Abends. Auch ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Ruhig, bescheiden aber selbstbewusst hatte Marco Thiemann den ganzen Abend auf seinen Auftritt gewartet. Genauso ruhig bestieg er die Bühne, nahm seine Gitarre und erläuterte sein erstes Stück. Ich gebe zu, bereits nach den ersten Takten klappte mir einfach die Kinnlade herunter und ich war einen Moment sprachlos. Sauberes, zwischenzeitlich filigranes Gitarrespiel, klare ausdrucksstarke Stimme, verständliche Wortintonation und beschwingte Musik – das war eine Mischung, die nicht nur unterhaltsam war, sondern nach mehr verlangte. Die Texte waren nicht oberflächlich, aber auch nicht mit erhobenem Zeigefinger gestrickt, so dass Verständnislacher manchmal auch etwas verzögert im Publikum zu hören waren. Die Musik zu charakterisieren ist gar nicht einfach, da Marco kein durchgehendes Stilelement verwendet. Von jazzig über rockig oder auch singer-/songwriter klassische ruhig war alles vertreten. Sein Abschlusssong, welcher mit begeisterter Heiterkeit vom Publikum aufgenommen wurde, erweiterte das Spektrum noch mit „tangolikeigem“ Zigeunerjazz Klängen – wie sollte es auch anders sein, wenn über den Diskogypsikng gesungen wird.


Denkt dran am 10.Oktober heißt es wieder:

Out of the bedroom - ab zum openmic.
 
 

 

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