Rezensionsarchiv

Das erste openmic der neuen Ära hat stattgefunden




Aber zunächst: Campus-Kultur

Mit viel Engagement haben Studenten der Uni Bonn ein eigenes Festival organisiert und dem Openmic die Chance geboten, mit einigen Künstlern dort vertreten zu sein. (Wir freuen uns darüber, dass unsere Arbeit über die Grenzen der Openmic-Abende hinaus Früchte trägt.Vielen Dank!) Die zum Auswärtsspiel entsandten Gruppen, So Anyway, Telekid, Zweizeit und Cora Rok, absolvierten ihre Feuertaufe auf der Open-Air-Bühne mit viel Begeisterung und Können und schafften es so, neben den ausgezeichneten "großen" Bands, Luke,I'm Your Dad, Escuela de Rima, SkaGB und The Blind Circus, zu bestehen und dabei eine ganz eigene, beinah intime Atmosphäre zu erzeugen. 

Und getz: Wieder daheim - Das Openmic zurück in der Mausefalle

Nach der sechsmonatigen Zwangspause war es schön, so viele bekannte Gesichter auf und vor der Bühne zu sehen. Auch das Publikum schien uns vermisst zu haben, bedenkt man, dass wir eins hatten -ein relativ großes sogar, was nicht zuletzt an dem neuen Sendeplatz, den Georg von der Mausefalle uns gegeben hat, dem Samstagabend, gelegen haben mag. Das große Thema dieses Openmics lautete: Männer, deren Vornamen mit "M" beginnen (sehr zu meiner Freude; ich liebe solche Schicksalsfügungen -in der Familie eines Bekannten heiraten alle Männer Frauen mit einem "U" im Namen), singen Lieder auf Deutsch (sehr zu Marios Freude; er versteht gern -warum auch immer-, was da eigentlich vorgetragen wird). Die vier Wiederholungstäter Mario Dompke, Mike&DerDoktor, Marco Isermann und Martini Tyran spielten zu mindestens 87% neue Songs, um dem einen Neuling, Micha Günther, den Einstieg zu erleichtern. Hoch lebe die Solidarität unter Männern!

Mario begleitete seine episch angelegten Erzählungen über Liebe, Großstadtdramen und den Tod mit gewohnt gutem Fingerpicking, mal sehr zart, dann wieder mit starkem rhythmischen Akzent und vor allem bestens gelaunt, ungeahnt frisch und sommerlich. Für seinen letzten Titel hatte er sich Michas Unterstützung frühzeitig (d.h.: 10 Minuten vor dem Aufritt) gesichert und zusammen gestalteten sie "Ich hab' Dich lieb" angejazzt schwungvoll.

Micha Günther konnte denn auch gleich auf der Bühne bleiben. Bei seinem Antrittsgespräch hätte ich schwören können, er sei Berliner. Er bestand jedoch darauf, aus Düsseldorf zu kommen (der Niederrhein birgt immer neue Überraschungen!), und als er dann sang, tat er es gänzlich dialektfrei, ja, er weckte, wohl mehr aufgrund seiner Stimmlage, Erinnerungen an Herbert Grönemeyer, einer Ikone des Ruhrgebiets. Hauptsache NRW!, dachte ich mir und ließ mich ein au
Das erste openmic der neuen Ära hat stattgefundenf seine Lieder voll großer Emotionalität, direkter Texte, geschickter Phrasierungen und überraschender Brüche.
Das erste openmic der neuen Ära hat stattgefunden
Marco Isermanns vertonte Geschichten leben vor allem von ihrer Jugendlichkeit (nicht zu verwechseln mit Infantilität). Gekonnt und glaubhaft trägt er Lieder vor über vergangene Lieben, dabei lässt er den verletzten Jungmännerstolz ebenso erkennen wie das ironische Augenzwinkern des reflektierenden Erwachsenen, das auch bei den vermeintlich aktuelleren Themen (ungewöhnliche Beziehungsmuster z.B. in "Hausmann") nie fehlt.

Mike&DerDoktor (Mike: Gesang und Bass; Dr.Stefan: Gitarre) verknüpften mal wieder ihre genreübergreifende musikalische Virtuosität (Jazz, spanische und sizilianische Klänge) mit diesen effizient nuancierten, bewusst in Alltagssprache gehaltenen Texten, die, wie von leichter Hand gesetzt, nichts von den eigentlichen Mühen beim Schreiben ahnen lassen, damit man zuhören kann und nicht vom "Wie?" so beeindruckt ist, dass man dem "Was?" nicht mehr folgen kann.

Martini Tyran ist "ein ambitionierter Kämpfer gegen die neue Weltordung mit Pathos und einer gehörigen Selbstironie" (Danke für diese Einschätzung, M.!). Was wäre dem noch hinzuzufügen? Vielleicht die Beobachtung, dass sich seine Ironie nicht nur in seinem beständigen Grinssen ausdrückt, sondern auch darin, dass er gelegentlich große Botschaften in angenehmste Popsongs kleidet.

"Ein Ende kann ein Anfang sein!" Das Ende des offiziellen Openmicteils jedenfalls war der Anfang eines lustigen Coverabends von John, Georg und Folker (ja, ich weiß... .) und der gesamte Abend hoffentlich der Auftakt zu einer langen Reihe weiterer SAMSTAGE im Openmic-Format. Bis zum 8.8.09!
Gruß,
Ann

 

 

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