Rezensionsarchiv

 

 

Welch ein Jubel!

Der 2. Adventssonntag dient der Vorbereitung auf das Erscheinen des Messias in der Welt. Ein ganz schöner Druck also für die Künstler des 14. Openmic, wenn man bedenkt, für wen sie da als Vorgruppe aufspielen mussten. Umso erfreulicher, dass es ihnen gelang uns Zuschauern die Wartezeit bis zur Rekreation der ultimativen Epiphanie derart unterhaltsam zu gestalten.

Bevor jedoch die gemeldeten Künstler den Abend beginnen konnten, gab erst noch Ann, die Rezensentin herself einen Einstieg. Der neuen Tradition eine noch neuere Note hinzufügend, interpretierte sie das Liedermacherlied, oder auch Eröffnungslied des openmic-bonn, in einer sicher unnachahmbaren, ihr selbst so leicht von der Hand (und von der Stimme) gehende Weise, dass auch dem Komponisten und Texter des Liedes der Mund offen stehen blieb. Swingend jazzig kam die Melodie daher und die Gitarrenbegleitung erinnerte auch nicht mehr an den eigentlichen Ursprung, des typischen Liedemacherliedes. Ann hat es bewiesen: ein typisches Liedermacherlied gibt es nicht, sondern es gibt abertausende Interpretationen einer guten Idee. Danke Ann, dass du uns allen gezeigt hast, dass das Experiment, ein Eröffnungslied immer wieder unterschiedlich interpretieren zu lassen, gelingt. (Einschub von Mario)

Der Jahreszeit angemessen - nämlich besinnlich - eröffnete danach Renate Dohm den "offiziellen" Abend. Die wunderbare Dynamik ihrer tiefen, an Joan Baez gemahnenden Stimme und das schöne Gitarrenspiel, mal folkig, mal chansonhaft, dann wieder jazzig, unterstrichen auf gelungene Weise die Melancholie und die zwiespältige Ratlosigkeit, um die es in ihren englischsprachigen Songs ging.

Bleibt nur die Bitte an sie und natürlich an alle anderen Musiker des Abends, bald wiederzukommen.

Mit Ralf und Marc Akustik begann der Aufstieg der Duos an diesem Tag; klar: Wer ist an Weihnachten schon gern alleine?
Eigentlich bei den Asphaltrosen zuhause genossen Marc am E-Bass und Ralf als Sänger und Gitarrist sichtlich die Möglichkeit, ihre Songs einmal ruhiger und von gezupfter Gitarre begleitet darbieten zu können. Launig spielten sie ihre deutschsprachigen Lieder, die kompositorisch zwar eng an bekannten Rock- und Popschemen orientiert, aber durch die außergewöhnlichen Themen und den markanten Gesang dennoch ganz eigen waren.

Dass Weihnachten das Fest der Liebe ist, ist bekannt. Und familiär sollte es auch werden, als mit Helge Kirscht ein alter Bekannter beim Openmic die Bühne betrat und sich mit einem Kinderlied auch an die jüngeren Gäste im Publikum wandte  (In Wirklichkeit waren natürlich keine Kinder anwesend. Es gibt also keinen Grund, den Jugendschutz zu alarmieren!). Mit seiner sympathischen Art gelang es ihm auf Anhieb, die Zuhörer zum Mitsingen zu bewegen. Anschließend sorgte er, als er für die letzten zwei Stücke Roberto aus Sao Paulo als hervorragende Verstärkung an der zweiten Gitarre auf die Bühne holte, noch für internationales Flair.

Es begab sich aber zu einer Zeit, genauer gesagt in meiner frühen Kindheit, dass am Heiligen Abend in jeder kleinen Dorfkirche eine Messe gefeiert wurde. Zu diesem Anlas wurden u.a. Priester a.D. reaktiviert, die alle folgende Begebenheit ins Zentrum ihrer Predigt stellten: Während des 1. (wahlweise auch während des 2 Weltkrieges; dann spielt sie allerdings in Stalingrad) Weltkrieges schwiegen zum völkerverbindenden Fest die Waffen, und stattdessen hörte man aus dem gegenüberliegenden Schützengraben französische (russische) Weihnachtslieder und antwortete mit deutschen, sang vielleicht sogar zusammen. Die Moral dieser Geschichte ist mir damals wohl entgangen, nicht übersehen konnte ich aber, das man durchaus etwas so martialisches mit Weihnachten in Verbindung bringen kann. Und so kann es auch nicht überraschen, dass die Jungs vom PS Gitarrenduo mit ihrem derb-männlichen Witz unser Adventskonzert würdig abschließen konnten. Auffallend gut aufeinander abgestimmt - und zwar in allen Belangen: den zweistimmigen Gesangspassagen, dem Gitarrenspiel und den humorvollen Sticheleien - zelebrierten sie ihre Lieder, sich und ihre Fans, unterhielten und boten einfach gute Musik.

Wir vom Openmic wünschen ein Schönes Weihnachtsfest und ein Frohes Neues Jahr! Bis zum 13.1.!

 

 

 

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