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Openmic - eine Nummernrevue?

 

Mitnichten!

 

 

Obwohl meine entschlossene Entrüstung wohl eher etwas über mein gestörtes Verhältnis zu Nummernrevuen aussagt als über die tatsächlichen Verhältnisse beim Openmic, werde ich mich noch weiter vorwagen, um meine kulturelle Eitelkeit zu befriedigen und das Openmic mit großem Drama vergleichen; hinkend, aber im Hinblick auf den Abend des 14.10. scheint es nicht unpassend zu sein.

 

Ein nervöser Bernd Lämmerhirt führte mit dem Eröffnungslied, das er ganz eigen und sehr einfühlsam interpretierte, das Publikum in die Handlung ein – und er schaffte es, trotz seiner Aufregung, der Idee einer immer neuen Interpretation des Liedermacherliedes ein erstes Leben einzuhauchen.

 

Auftritt Schwarm. Marc an der Gitarre, Markus am Saxophon und Christina kleideten gemeinsam 4 Stücke von Marc in ein neues und, ich glaube, besseres Gewand, als dies bei Marcs Vorgänger Band 2samkeit der Fall war. Die deutschsprachigen Lieder waren gefällig genug, gewannen aber vor allem durch die gute Darbietung, den klaren Gesang und die schöne, zurückhaltende Saxbegleitung. Überhaupt ordneten sich die Musiker dem stillen Charakter der Lieder (mit einer Ausnahme, dem dritten Stück, dessen treibender Rhythmus eine höhere Lautstärke zuließ) unter und nahmen sich bescheiden und wirksam zurück.

 

Folgt: Martini Tyran, jugendlicher Held und Günstling des Publikums. Ebenso wie seine Kleidung - komplett schwarz - fiel seine Musik etwas monoton aus, gespickt mit Schlagworten, Redewendungen und rhetorischen Fragen, darin

enthalten: Omnipräsente Kritik. Wie das so ist, wenn man jung ist. Und am Leben. Da sitzt man nicht. Da steht man auf und spielt, wechselt die Seiten und wendet sich ab. Die Welt ist eine Bühne; die Welt steht einem offen, wenn man jung ist und so energetisch; da nutzt man den vollen Raum der Bühne. Und während Martini alles tut, um sperrig und bar jedes Popklischees daherzukommen, sind seine Songs, finde ich, gerade da richtig gut, wo sie ihr volles Poppotenzial entfalten können, und er die Melodieführung den Instrumenten (Git. + Mundharmonika) überlässt oder sich selbst erlaubt zu singen.

 

Als kurzfristigen Ersatz für SoAnyway ist Kago, alias Katrin Golm, angereist mit einer Sammlung vertonter Gedichte eines Freundes, um auch mal außerhalb des Bekanntenkreises eine Reaktion zu bekommen. Ein richtiger Ansatz und ein zufriedenstellendes Ergebnis. Dem Publikum gefiel's. Und ich lehne mich bei meiner Kritik mal bei der Beschreibung der Darstellungskunst eines Schauspielkollegen von Kurt Götz an, der dessen Leistung des Unterspielens und den umso überraschender daherkommenden Moment, als dann doch (und wie!) eine Emotion durchbricht, beschrieb: Kagos Lieder flossen so dahin, nett und gut gemacht, aber dann und wann gewährte ihre wandlungsfähige Stimme Einblicke, die wirklich berührten.

 

Noch kurzfristiger, nämlich etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung, hatte auch der Lagerarbeiter Andy aus Oberhausen abgesagt - er stand im Stau auf der A61. Was war zu tun?

Man beschwörte den Deus ex machina. Und der kam auch. In Gestalt von Marco, der sich ohne angemeldet gewesen zu sein, aber mit Gitarre plötzlich aus dem Zuschauerraum meldete, um aufzutreten. Und wie! Er spielte zwar bis auf ein Stück nur Coverversionen (darunter ein serbisches Volkslied im Original!), beeindruckte aber mit seiner fragilen Stimme, die im Verbund mit seiner Erscheinung einen Eindruck von fesselnder Entrücktheit auf die Bühne zauberte.

 

Der Vorhang fiel und wird, was das Openmic angeht, auch erst wieder am 9. Dezember aufgehen.

 

Bis dahin,

 

Gruß,

 

Ann  

 

 

 

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