Rezensionsarchiv

 

 Das Jubiläum

 

Allen Anwesenden, sämtlich in Abengarderobe erschienen (nur ich nicht; ein kleiner Hinweis wäre nett gewesen!), wurde ein großartiges Fest zum Einjährigen geboten.

Ein Jahr ist eine lange Zeit. Daß dennoch keine Langeweile aufkommen wollte, ist, neben den beeindruckenden Leistungen vor und auf (und beinahe hätte ich noch hinzugefügt: hinter der Bühne. Doch technisch gesehen gibt es hinter der Bühne nichts. Außer einer Wand. Die aber auch, dem Anlaß entsprechend, fabulös gehalten hat, sich und das Dach.) der Bühne, der neugefundenen Heimstatt des Openmic zu verdanken, der Mausefalle. Mir schon bekannt als großartige Wiege der Livemusik in Bonn, glänzte sie am Abend des 13. August, als sie unsere Veranstaltungsreihe zum ersten Mal beherbergt hat. 

Fashionably late begann die Vorstellung mit einer Überraschung. Gerd, der bisher nicht bei uns als Musiker, aber immer und immer wieder gerne im Publikum zu sehen gewesen ist, und Mario, seines Zeichens Mitbegründer des Openmic, eröffneten mit dem "Liedermacherlied", das sie extra für diesen Ehrentag geschrieben hatten und bereiteten die Zuhörer auf Großes vor.

Von einem gut aufgelegten Publikum empfangen wagte sich auch Krikela auf unbekanntes Gelände vor und präsentierte ihr neues Lied "Seelenteilamputation". Ihre schöne Stimme gefiel, der eigenwillige Sprachfluß ließ aufhorchen. Es folgte das harmonisch ungewöhnliche und nichtsdestoweniger ansprechende "Wände", das einzelne Zuhörer tatsächlich zu Ansätzen von Tänzen animierte. Dem dritten Stück "Wer hat mich gesehen" liegt eine äußerst interessante Idee zugrunde (Sie wird hier nicht verraten, es sei dem geneigten Leser jedoch durchaus geraten, sich bei Gelegenheit einmal selbst davon zu überzeugen.). Am Ende also schloß sich der Kreis, als die junge Kölnerin, deren erster Song den Trennungsschmerz, deren letzter, "tüdelüd", aber das Überkommen desselben auf naiv-fröhliche Weise behandelte. Ein sehr schöner Auftritt, der sich hoffentlich bald wiederholen wird.

Drei der fünf Mitglieder der Eifeler Männergruppe, nämlich Jo Kasterstein, Funk't und Earlsteven, sollten nun die Bühne mit einem etwas rauheren Sound entern. Sie führten das gebannte Publikum durch eine Vorstellung, in deren Verlauf es großartige Trommeleinlagen auf den mitgebrachten Cajons, ungewohnte Klänge wie die der Kalimba (eingesetzt in der Trinkhymne "Stärker"), eine kurze Hommage an City, eindringlich humoreske Einlagen, etwa bei Lucy, dem Stück über eine Internetbekanntschaft und generell Leidenschaft, Spaß und Können. Mitreißend war das und ungewöhnlich. Wiederholbar hoffentlich auch.

Ohne Unterbrechung ging es weiter. Mit Mucki, bürgerlich: Michael Heß, der auch Frontmann von Tpunkterror ist. Sein Engagement, das man jedem seiner Stücke, ob gesellschaftskritisch wie im Opener "Pille" oder dem trillerreichen Abschlußsong "Segel aus dem Wind", anekdotenhaft wie in "Rockstars", dem Erfahrungsbericht über das Leben auf Tour oder philsophisch wie in "Häufchen Elend", bei dem es um Katharsis durch Alkoholkonsum geht, stets anmerkt, übertrug sich sofort auf die Zuhörer, die während des Auftritts mitsangen und danach eine Zugabe forderten. Auch hier ein herzliches: Auf Wiedersehen!

Clarity beschlossen den Abend. Weniger plakativ als ihre Vorgänger spielten sie am anderen Ende der Skala der Authentizität. Vielleicht etwas poppiger, weil melodisch ungemein gefällig, gelang es ihnen eine ansprechende Mischung aus Melancholie und Eindringlichkeit zu kreiéren. Ihre vier Lieder "heaven is surrounding you", "Somehow", "Marvin" und "Rather be with you" spielten Alex Wahls (Gesang + Gitarre) und Markus Lanser (BassGitarre) mit Hingabe, der häufige Einsatz der Kopfstimme erwies sich als gut gewähltes Stilmittel. Eine Wiederkehr der beiden ist von, dieser Seite aus jedenfalls, sehr erwünscht.

Wie das an hohen Geburtstagen so üblich ist, gilt es nun noch, ein Dankeschön zu entsenden. An alle, die sich das verdient haben! Und an alle, die einfach schon immer mal eins haben wollten. You know who you are... .

Bis zum nächsten Mal am 9. September (Achtung, einem Sonntag)!

Gruß

Ann

 

 

 

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