Rezensionsarchiv

 

Heute war es wieder soweit. Der zweite Montag im Monat = Openmic im Tiferet, und mit vier ihrer Stücke im Gepäck trat Tins bei uns auf.

            Gut gelaunt, wie wir sie im letzten Monat kennen lernen durften, und natürlich ein wenig nervös, läutete sie mit ihrem Song Questions den Abend ein. Trotz ihres harten Berufsalltags voll Energie, bestritt sie dieses Lied, dessen Schluss sie durch das Verlangsamen des Takts stilvoll auszuleiten wusste.

Der eigenwillige Rhythmus ihres zweiten Stückes Midnight `07 gefiel und zum dritten Lied offenbarte Tins, dass nun ihr erstes Lied in deutscher Sprache folgen würde (2007 Meilenstiefel); eine Herausforderung, die sie mit viel Rhythmus, aber leider noch zu leiser und unsicherer Stimme (bzw. zu lauter Gitarre), vortrug. Nur Mut!  

Ihr viertes Lied, Nie geküsst, das als gefühlvoller Rocksong a la Wir sind Helden daherkam, zog mit seinen schönen Harmonien wohl jeden in seinen Bann und wir wünschen uns noch mehr solcher röhrigen Passagen, wie zu Beginn dieses Stückes. Vielleicht wäre es auch einmal einen Versuch wert, die Kopfstimme einzusetzen, um noch mehr Varianz zu erreichen; vielleicht wird sich aber gerade diese Stimme gut mit einer zweiten verbinden lassen; man wird sehen.

 

Nun war Thomas Koppe an der Reihe und legte sein Rüstzeug an, zu der auch eine Mundharmonika, bzw. eine ´Harp´ gehört. Als eine Mischung aus Reinhard Mey (nur mit schönerer Stimme) und mittelalterlichem Barden, verzauberte er durch sein herrliches Vibrato seine Zuhörer, nicht nur in seinem ersten Lied, Freunde.

In Wär’ ich doch nur... (bei dir geblieben) machte er sodann bewusst, was die vielen guten Seiten der Liebsten sind und bestach wiederum durch „diesen touch“ an mittelalterlichen Klängen.

Stimme, Harp, Gitarre; all diese Elemente weiß dieser geniale Minnesänger-Erzähler harmonisch zu verbinden und bedient sie so, dass seine Zuhörer sich als Gäste bei einer professionellen Studioaufnahme wähnten. Auch das Feintuning der Instrumente war einfach ausgewogen und ideal. Thomas’ schöne Harmonien hatten etwas ganz eigenes, teils flüsterte er beinahe, aber zugleich war sein viertes Lied auch etwas zum mitklatschen (Fast hätte ich sogar getanzt). Du warst klasse, Thomas!

 

Als „der Schreihals“ mir nun stolz verkündete, nun träten seine Ziehkinder des Duos Hausverbot auf, wusste ich, was ich zu befürchten hatte und in der Tat betraten zwei quirlig-scharmante Musiker die Bühne, um sogleich zu verkünden nicht singen zu können (!). Nun ja, das war zwar nicht ganz gelogen, aber ihre Texte wurden von Lied zu Lied anspruchsvoller und sprachlich ausgetüftelter. Vor allem geht das Lob an dieses Duo als ausgezeichnete Gitarristen, die darüber hinaus auch zu zweit mehr als harmonierten. Das war gekonnt!

            Nachdem sie in ihrem ersten Lied eine Latexallergie beschrieben hatten und über die sicherlich unangenehmen Pusteln am Glied berichtet hatten, kritisierten sie ironisch-durchschauend die Pessimisten unter uns. Wieder bestachen sie hierbei durch ihre Gitarrenkünste, die wie der Text, locker inszeniert, scharmant, offen und originell klangen. Die beiden hatten Spaß bei ihrer Performance und mit einem zusätzlichen Sänger zur Verstärkung ist noch einiges drin, für die Beiden. Und nun seid ihr gefragt: Wollt ihr mehr von ihnen hören? Dann besucht sie auf ihrer Webpage, unter www.myspace.com/hausverbot

 

Jetzt war Der Schreihals persönlich an der Reihe und wer ihn bereits einmal gehört hatte, der wusste nicht nur, dass die Frauen in Meerbusch eben NICHT mehr Busch haben, sondern auch, dass hier wieder Etwas der anderen Art auf das Tiferet und seine Zuhörer zukam.

            Doch der Schreihals hatte sich heute besonnen und forderte in seinem ersten –nur leicht Frauenfeindlichen- Stück Männerparkplätze zum Beispiel vor Kneipen. Wenn der Schreihals auftritt, dann gibt es immer etwas zu lachen. Seine Stimme ist nicht perfekt, aber danach fragt schon längst keiner mehr, denn viel mehr zählt für ihn der Text, und in der Tat: Es darf sogar gelacht werden! Der Schluss seines zweiten Songs rundete seine Feststellung ab, nun (mit bald 30) endgültig alt zu werden ab, als er verkündete: „30, 30, 30, Scheisse...“ (Otto Walkes persönlich hätte diese Zeilen nicht besser bringen können) und sein voriger Aussetzer passte nur zu Thema und Text dieser Nummer.

            In seinem Quoten-protest-Song forderte er den Saal mit den Worten auf: „Und jetzt singen alle, die heute schon Sex hatten.“, und gewann sein Publikum beinahe mit „Und jetzt singen alle, die heute noch Sex haben werden.“, ein Satz, der in einer anderen Umgebung und zu einer anderen Uhrzeit die Massen von ihren Stühlen reissen dürfte. Nachträgliche Zusprüche wie: „Bleib so, wie du bist.“, bestärkten den Schreihals in seiner außergewöhnlichen Darbietungsform des Liedermachings. Solange er dabei auch weiterhin über sich selbst lachen kann, ist das okay.

 

Filou beschloss den Abend (Vor Zahlreichen Zugaben unterschiedlicher Interpreten), in Form und Haltung eines Bernd Stelter von der anderen Rheinseite, und begeisterte so nicht nur die Beueler Randgruppe im Saal.  Dieses erste Stück war eine Coverversion von wohl bekannten spanischen Klängen und Jürgen Drews ließ grüßen, als Filou lautstark über Ibiza und Mallorca sang, jedoch selbst natürlich lieber die Ferien in Beuel verbringen möchte.

               Sprachlich geschickt war sein zweites Lied über das Fremdgehen. Ironisch wusste er über einen Brückenrand und einen damit zusammenhängenden Stunt zu berichten, der zum Glück nicht zustande kam; die eingeflochtenen Pausen rundeten das ganze Stilvoll ab.

            Sein drittes Lied war ein echtes Rock’n’roll-Stück für Elvisfans und sein Abschlusssong eine interessante Coverversion von Que Sera. Stellt euch Doris Day als Mann vor, als einen Ostdeutschen Mann mit deftigem Dialekt, und fügt noch Filous Aussage: „Ich bin jetzt ein Planet“ (Pluto), hinzu, und ihr wisst ungefähr, was den Gästen des Tiferet in diesem Klagelied, über die Aberkennung Plutos’ Planetenstatus, geboten wurde.

 

Wir freuen uns euch alle bald wieder im Tiferet zu sehen, um mit uns das Einjährige der Open-Mic-Bonn zu feiern.

 

Bis Bald, Euer Tim und das ganze Team der Open-Mic.

 

 

 

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