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Der 7.Open-Micabend war ein außergewöhnlicher. Nicht nur, dass man zur ursprünglichen Form zurückfand, bei der Solokünstler die Bühne ohne Begleitung erobern, es gab auch zwei Themen, die sich wie Rote Fäden (wenn man dieses Bild im Plural verwenden darf...) durch die einzelnen Vorträge zogen: Liebe und - Werbung.

Tins hatte die undankbare Aufgabe, den Abend zu eröffnen. Das tat sie, ungeachtet der Nervosität bei ihrem ersten Auftritt vor Fremden, recht souverän. Ihre ersten zwei Lieder, beide mit der schon erwähnten Grundthematik Liebe, lebten allein -und das nicht schlecht- von ihrer Emotionalität. Das dritte Stück "Questions" begann mit einem gezupften Intro, war lebhafter, positiver als die Vorangegangenen. Zum Abschluss spielte sie "Come Closer", einen sehr lyrisches Song, dessen an die Cranberries erinnernder Anfang sich in einen mit Leidenschaft vorgetragenen Refrain steigerte.

Ein solider erster Auftritt der jungen Künstlerin aus Erftstadt, die mit Sicherheit nochmal beim Open-Mic zu sehen sein wird.

Ebenfalls neu beim Open-Mic, nicht aber neu auf der Bühne, war Sten Fisher, der im Anschluss spielte. Sein Song "Robbie Williams", wohl als Protest gegen die Wertschätzung des Nichtssagenden im Musikgeschäft gemeint, war musikalisch ebenso gefällig wie die bekannten Vorlagen des darin Besungenen. Stens Wut, vielmehr seine Enttäuschung über den Triumphzug mittelmäßiger Popmusik drückte sich wohl vor allem im Text aus. Dennoch ein netter Song, bei weitem interessanter für mich waren aber die nun folgenden Stücke. "Papership" kam folkiger -will sagen: ruhiger- daher, hypnotisch, persönlich, zerbrechlich. Nach einer kurzen Werbeansage für seine neue EP offenbarte Sten sein Talent für eine Melodieführung, die vielleicht ein bisschen zu sperrig ist für "Arenamitgröhlhymnen", aber dennoch schön und rhythmisch gefestigt, in "Breathe", einer Ballade von Liebe und Rettung, wie sie Leonard Cohen schreiben könnte. "Manager", der letzte Song, zeugte dann wieder von Stens kritischem Geist und wandte sich gegen Profiteure der Wirtschaft wie Ackermann.

Musikalisch und stimmlich ein überzeugender Auftritt des Kölners, der sich hoffentlich auch noch einmal bei unserer kleinen Veranstaltungsreihe sehen lässt.

Recky Reck überraschte zunächst mit der erstaunlichen Eröffnung, er sei nervös (seine Ausdrucksweise war allerdings etwas drastischer). Kaum glaublich schien das, angesichts seiner Selbstbewußtsein Ausstrahlung, die die Bühne, sobald Recky sie erklommen hatte, vollständig einnahm. Von fröhlicher Melancholie, wenn so etwas vorstellbar ist, war sein "Ich bin neu", ein Lied aus der Sicht eines Neuzugezogenen. Poppig, mitreißend ging es weiter mit "Ein Wunder versprochen" und "Spiel, bitte, keine Liebeslieder", wo er technisch versiert auch Parts mit Fingerpicking präsentierte und zwei kleinere Unsicherheiten locker überspielte. Die Werbung für den Eintrag in seinen Newsletter war die Überleitung zur Ankündigung seines letzten Songs "Hab' ich's Dir schon gesagt", einem Stück mit Mundharmonikabegleitung über das unsterbliche Sujet der Liebe, das musikalisch da stark war, wo Worte fehlen.

Recky ist ein guter Unterhalter, launig, humorvoll und musikalisch routiniert (leider muss  hier die geographische Einordnung seiner Herkunft ausbleiben, da sie der Rezensentin unbekannt ist; das kann bei Ricks nächstem Auftritt, falls gewünscht, nachgeholt werden).

Tim Sturhan, der Initiator der Open-Micabende, hatte mir gegenüber angekündigt, seinen Auftritt mit einem etwas beschwingteren Lied beginnen zu wollen. Und tatsächlich entpuppte sich "Hej, when" als netter Uptemposong, den Tim mit dem Charme eines jungen Cliff Richard vortrug. Da Tim dieses Mal über einen qualitativ hochwertigen Tonabnehmer spielte, konnte sich sein Fingerpicking bereits beim zweiten Stück "Way through heaven" dem geneigten Zuhörer in voller Reife entfalten. Dann warb auch Tim - allerdings nicht für sich, sondern für Mario Dompkes Auftritt in der Mausefalle am 18.06, um schließlich das Publikum mehr oder weniger erfolgreich zum Mitsingen bei "Die Liebe ist (das Kind der Freiheit)" zu bewegen. Meine Notizen zu "Leaves", dem Abschlusstitel, sind etwas kryptisch, unleserlich, um genau zu sein. Sorry, Tim! Ich kann mich aber noch erinnern, dass mir das Stück in seiner verträumten, Tim-typischen Fragilität gut gefallen hat.

Der Meckenheimer kommt garantiert wieder auf unsere Bühne, und das ist auch gut so.

Helge Kirscht beschloss diesen denkwürdigen Abend mit dieser ihm eigenen Art von Herzlichkeit und Nonchalance, die das Publikum sofort für ihn einnehmen. Mit einem Augenzwinkern spielte er "I don't go" und bewies, dass er sich selbst nicht zu wichtig nimmt. "Der Präsident der Republik" handelte mit variabler Gitarrenbegleitung von der Wertschätzung des Augenblicks. Das dritte Stück "Lenz" griff Themen wie Diebstahl und Doping auf und verarbeitete diese auf naiv-ehrliche Weise zu einem Liebeslied. Wie schon bei seinem letzten Auftritt beendete Helge seinen Auftritt nicht mit einem weiteren traditionellen Lied zu Gitarrenbegleitung. Nein, er legte das Instrument beiseite, schnallte sich mit Glocken behangene Fußschellen um und begann von Fußstampfen rhythmisch begleitet seinen halbgesungenen, halbgesprochenen Vortrag von "Intensivstation".

Eine schöne Abwechslung und ein gelungener Auftritt, der hoffentlich bald seine Fortsetzung beim Open-Mic findet.

 

Am 12.März heißt es wieder "Out of the bedroom" und ab zum nächsten

Open-Micabend! Bis dahin,

Ann

OUT OF THE BEDROOM

 

 

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