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Mit den Worten „Passt schon“ eröffnete Liedermaching „Schreihals“ den Abend und legte mit seinem Lied über seine Freundin los. Seine Freundin sei seine rechte Hand, was so wohl niemand im Saal erwartet hatte und mit ihr, so sang er, habe er den besten Sex. Trotz seiner ausbaubedürftigen, eher monotonen Stimme: Schreihals brachte die Leute zum lachen, denn was er da von sich gab, war in seiner Deutlichkeit der Open-Mic bisher fremd gewesen; „die Frauen in Merbusch heissen zum Beispiel nicht etwa so, weil sie dort „mehr Busch“ haben... .

Erst später verriet Mario mir, dass die Liedermachings als Abgrenzung zu traditionellen Liedermachern wie beschrieben verfahren, also immer raufhauen auf die Kacke, immer möglichst viel Titten und Ficken etc. einbauen und zum lachen animieren wollen. Leider hatten das so wohl die wenigsten, der schockierten Zuhörer begriffen.

Ich muss im Nachhinein sagen: Es war richtig witzig, dass es so unerwartet über uns kam. Bis Bald.

 

Nun war Ann an der Reihe. Ihr Fingerpicking reift von Mal zu Mal mehr aus, wird sicherer, deutlicher, klarer und somit hörbarer. Die Anlage sollte auf Ann beim nächsten Mal noch besser zurechtgestimmt werden, ansonsten fand ich Ann dieses Mal gut. Trotz der technischen Probleme überzeugte ihre apathisch-weggetretene Art, diese andere Welt, in die sie in ihrem ersten Stück regelrecht eintauchte.

Ihr zweites Lied war mein Favorit. Eine Vorrede gab es leider –mal wieder- nicht, aber dafür ein schönes Vorspiel. Melancholisch entfaltete sich ein ruhiges, nachdenkliches Lied; das war schön! Viel besser, als etwa in einem ihrer anderen Songs, in dem sie in der Vergangenheit so sehr laut geworden war. Weiter so!

Nun erklärte Ann, dass sie sich zu ihren Stücken nicht äußern wolle und wirkte geheimnisvoll, nachdenklich, bezüglich ihres Innenlebens, dass sie in Lieder, wie ihren nun folgenden neuen Song kleidet. Angenehm.

Ihr drittes Stück, das sie im Rahmen eines Projektes normaler Weise mit einer Freundin singt, überraschte durch melodisch geschickte Wiederholungen, durch ein passend eingesetztes Tremolo („Ich müsst Niiiie mehr nach Haus“) und nicht zuletzt –zum ersten Mal!- durch den DEUTSCHEN TEXT. Wenn Ann weiter so fleißig an ihrer Stimme arbeitet kommt da noch einiges; weiter so!

 

Nun war Mario an der Reihe und erzählte uns in seinem Lied über den Völkermord von der aktuellen Hinrichtung des Saddam Hussein, womit er erneut unter Beweis stellte (Mario), dass er durch die Open-Mic den Mut und die Übung/ das Können dazu bekommen hat, auch neue Stücke öffentlich zu machen.

Sein zweites Lied war ein alter Bekannter und animierte das Publikum wieder zum Mitsingen von „Haben sie gesagt“. Mario gelang es hierbei sehr gut, böse Vorurteile kindlich verharmlost auszudrücken, was die Gefahr ausschloss, an dieser Stelle vielleicht missverstanden zu werden. Der plötzliche Schluss passte und überhaupt:  Das flotte Lied hat Wiedererkennungswert!

„Morgen?“, so der Titel seines letzten Liedes für den heutigen Abend, überzeugte schon in der spannend vorgetragenen Vorrede und Marios Gitarrenspiel war deutlich und klar, allerdings heute vielleicht ein wenig zu sehr in den Vordergrund gedreht. Dennoch: Die Pausen innerhalb dieses dritten Liedes, denen erst ein Zupfen und dann ein gesanglicher Neueinstieg folgten überzeugten. Mario weiß was er tut und hat uns immer eine Geschichte zu erzählen.

 

Nach einer Pause legten Cora und Eno mit „Voice of my heart“ und anderen Stücken von Cora Roc los und der Saal schien augenblicklich voller zu sein, als ein rasender Applaus dem Ende dieses Stückes folgte. Coras Stimme ist deutlich und durchdringend, ihr Tremolo setzte sie gut ein. Ein Fehlerloser Auftritt, routiniert und sicher, trotz langer Auszeit. Ihr vierter Titel war Nowhere, indem Eno bewies, dass es mit den Beiden auch zweistimmig gut hinhaut und nachdem das Publikum lautstark nach einer Zugabe verlangte – doch dafür müssen Cora und Eno erst wieder zurück ans Reißbrett- Bis Bald!

 

Sonic Firebird, die sich vor acht Wochen zusammengetan hatten und schon einmal im Tiferet zu Gast waren, verkündeten die Idee zu einem neuen, komplizierten Bandnamen den ich leider sofort wieder vergaß. Sie bildeten den groovig-chilligen und dennoch nicht lahmen Ausklang des Abends und trotz ihres kurzen Bestehens als Band erkannten die Stammbesucher ihre Lieder wieder. Zitate der begeisterten Zuschauer waren zum Beispiel: „Wann kommt die erste CD von denen raus... so schön.“, oder auch nur „Einfach schön“.

 

Die Open-Mic war wieder einmal ein großer Erfolg, der Saal gut gefüllt. Alles im grünen Bereich - bis zum nächsten Mal am 12.02.2007 beim openmic-bonn im Tiferet,

Euer Tim und das Team der Open-Mic-Bonn

 

OUT OF THE BEDROOM

 

 

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