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Die Reihen füllen sich

Irgendjemand hat wohl seinen Mund nicht gehalten und den Geheimtip "openmic-bonn" weitererzählt (wir bedanken uns) - auf alle Fälle drängelte sich am 11.09.2006 das Publikum vor der Bühne. Gut, nachdem sich alle auf die Sitzplätze verteilt hatten, hätten schon noch ein paar mehr Platz gefunden. Aber für Künstler und Organisatoren wichtig ist, dass die Veranstaltung ankommt, dass also die Qualität der Darbietungen stimmt. 

Wieder standen diverse Gitarren im Cafe Tiferet rum. Und neben den Gitarren natürlich auch die dazugehörigen Liedermacher/ Singer/ Songwriter. Etwas skeptisch waren die Blicke am Anfang schon auf die leeren Stühle und Tische gerichtet, aber es war ja auch noch früh - und tatsächlich, pünktlich mit der obligatorischen Verspätung von einer viertel Stunde füllte sich der Laden und schon ging es los. Obwohl wesentlich mehr Zuhörer als beim ersten openmic Abend da waren, wurde die Anlage nicht eingeschaltet. Die Clubatmosphäre sollte erhalten bleiben und die Musik wirklich rein von Hand gemacht rüberkommen.

Wie beim ersten openmic eröffnete Ann Bishop den Abend.  Ann hatte neue Klänge mitgebracht. Ihr Gitarrespiel war noch stärker auf das Fingerpicking ausgerichtet, wobei sie  aber nie den Rhythmus vernachlässigte. Durch  geschicktes Strumming behielt sie die Zügel in der Hand. Bei den gezupften Gitarrenteilen machte es sich doch bemerkbar, dass keine Anlage benutzt wurde. Leise gezupfte Töne in einem ausreichend gefüllten Laden rüberzubringen ist schwer. Auch am zweiten openmic Abend spielte Ann mit ihrer Stimme und erstaunte so manchen Zuhörer über die unterschiedlichen Emotionen, die sie zum Ausdruck bringen kann. Sehr deutlich trat dies bei ihrem letzten Lied hervor, als Ann aus einer melodiösen Wanderung durch die Töne plötzlich in das Höllenfeuer der Urlaute sprang. Meine Nachbarin schrak richtiggehend hoch und hatte auch noch nach dem Lied Herzklopfen. 

 Ein neues Gesicht kam mit Denis Hodack auf die Bühne. Kraftvoll und ohne falsche Scham vor dem Publikum ließ er seiner sehr wohlklingenden Stimme freien Lauf. Er schaffte es auch ohne Verstärkung bis in den hintersten Winkel gut verständlich zu sein - und dies ohne zu schreien. Aber er scheute sich auch nicht in einzelnen Liedpassagen lauter zu werden, so dass auch bei ihm deutlich wurde, dass in seinen Liedern eigenes Gefühl beinhaltet ist. Auf der Gitarre begleitete er sich mit einem vielseitigen Plektrumspiel, welches vom Flatpicking über Strumming bis hin zu kleinen Melodiepassagen reichte. Denis machte es auch dem nicht englischsprachigen Zuhörer leicht seinen Liedern zu folgen. Er leitete jedes Lied mit einer Erklärung über den Song und meist sogar über die Umstände aus denen heraus er es geschrieben hatte ein. Fazit: Denis komm wieder - du gehörst auf die Bühne.

Der Dritten im Reigen der Interpreten war Tim Sturhan. Wie sicher alle wissen, war es Tim der mit als erster die Idee zu der Veranstaltungsreihe hatte. Beim ersten Abend noch im Urlaub sollte er sich heute beweisen, was ihm auch mit Bravour gelang. Ich werde es nie begreifen, wie jemand es schafft einen Song z schreiben und diesen am nächsten Tag auf die Bühne bringt, als würde er ihn schon Jahre spielen - Hut ab! Tim brachte neben sich selbst und seiner Gitarre auch noch Moni mit auf die Bühne - eine ganz neue Moni, denn die alte war schon ganz ausgeleiert und kaum noch zu gebrauchen. Keine Zunge war mehr richtig heil, also hat er sich eine neue Mundharmonika gekauft und eins seiner Lieder darauf begleitet. Zu meiner persönlichen Freude, waren Tims Lieder überwiegend in deutscher Sprache geschrieben. Ich, als Verfechter des deutschen Liedermachings danke dir. Das Gitarrespiel war gut und auch gemischt zwischen Strumming und Fingerpicking, wobei ähnlich wie bei Ann hier die leichte Verstärkung fehlte. Aber Tims Stimme überspielte solche Stellen mit Leichtigkeit. Ein Kommentar aus dem Publikum: Da steht so ein großer schlaksiger Kerl mit einer normalen Stimme vor dir und auf de Bühne singt plötzlich ein Engel. Na, als Engel würde ich dich nicht bezeichnen Tim, aber deine Stimme bringst echt.

Ganz ehrlich, es war nicht geplant, aber auch beim 2. openmic-bonn Abend entschied das (durch ein paar  Wünsche der jungen Künstler korrigierte) Los, dass der Abend in jung und alt aufgeteilt wurde. Als nächster Künstler kam nämlich der erfahrene Kämpe Bernardo Cristiano auf die Bühne. Als deutscher Liedermacher italienischer Abstammung hat er mehrere Welten im Blut, was sich in einem ausgesprochen groovigen Rhythmusgefühl bemerkbar macht. Bernardo spielt mit seiner Stimme, die er in jahrelangem Training auf seine Lieder abgestimmt hat. Seine Texte ummalen Situationen und Gefühle, so dass mit seiner Stimme zusammen im wahrsten Sinne Lautmalereien entstehen. Bernardos Texte verdienen es merhfach gehört zu werden, denn nicht jeder erschließt den oft in Metaphern gefassten Inhalt spontan.

Ähnlich wie schon bei Ann Bishop war der Platz des ebenfalls deutschsprachigen Liedermachers Mario Dompke wieder an der gleichen Stelle wie beim ersten openmic Abend. Und ähnlich wie bei der ersten Rezension der Veranstaltung fällt es dem Rezensenten schwer über sich selbst zu schreiben, denn, das was dem Künstler selbst am lebendigsten in Erinnerung bleibt sind die kleinen Patzer, die immer bei einem Auftritt passieren. Und die will ich hier gar nicht kommentieren. Leider ist bisher kein anderer bereit mal die Rezension zu schreiben, vielleicht aber auch zu meinem Glück? Folgt meinem Link und macht Euch selbst ein Bild über meine Lieder. Oder kommt einfach regelmäßig zu den openmic-bonn Abenden. Ich werde dort sicher noch häufiger zu hören sein.

 

Deshalb heißt es am 09. Oktober 2006 wieder nicht nur für die Musiker:

OUT OF THE BEDROOM

sondern auch ihr solltet euch die besondere Atmosphäre der handgemachten, akustischen Livemusik nicht entgehen lassen.

Mario

 

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